Buchempfehlung: Der Eygennutz, kein Witz.

eygennutz
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Wir durften hier schon mehrmals intelligente, hintergründige und amüsante Bücher aus dem jungen eygennutz Verlag vorstellen, Zum Beispiel Schatten Voraus oder die versoffenen Vampire von Exsanguis, Band 1 und Band 2. Heute nur ganz kurz die Empfehlung eines ebenso kurzen Büchleins. Die Damen Verlegerinnen haben sich für den Verlagsnamen von einem über 400 Jahre alten Lehrgedicht des Meistersingers Hans Sachs inspirieren lassen, in dem es um den zerstörerischen Eigennutz geht, denn Sachs noch eygennutz schrieb. Was liegt da näher, als eben dieses Gedicht mit moderner Übertragung noch einmal aufzulegen.

Wozu die ollen Kamellen?

Wenn ihr euch jetzt fragt, was man mit diesem alten Kram heute noch anfangen kann, empfehle ich das kleine Buch, denn die monströse Darstellung von Egoismus und Habgier klingt erschreckend aktuell und wohlvertraut. Der Text aus dem 16. Jahrhundert könnte ebenso gut eine Kapitalismuskritik von heute sein. Man kann das Ding philosophisch lesen, dann kommt ein ziemlich ernüchterndes Bild des Menschen als Zerstörer und raffgieriger Wicht heraus. Man kann es religiös lesen, als Bitte an Gott, uns doch endlich altruistisch und fair zu machen. Und zu guter Letzt stammt aus diesem Gedicht auch der stets anwendbare Spruch, den ich gerne als „Kant light“ bezeichne: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem Andren zu.“ Easy, oder?

Was für den Nikolausstiefel oder für unter den Baum, wo sowieso viel mehr Bücher hingehören:

Hans Sachs: Der Eygen nutz / das greulich Thier / mit sein Zwölff Eygenschafften. Liebevoll übertragen und abgetippt von Bianca Stücker und Chelsea Bock. Erschienen (ta-daa!) im eygennutz Verlag.

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